Stadtwerke Holzminden - Kommunalwirtschaft -  AöR


Seit dem 1. Januar 2009 sind in den Stadtwerken Holzminden - Kommunalwirtschaft - Anstalt öffentlichen Rechts (AöR) die Sparten Abwasserbeseitigung, Baubetriebshof mit den Betriebszweigen Bauhof und Gärtnerei, Straßenreinigung sowie die Wasserversorgung zusammengefasst.

Abwasserbeseitigung

Der Betriebszweig Abwasserbeseitigung entsorgt das anfallende Abwasser der Stadt mit den angeschlossenen Industriebetrieben sowie das nördliche Entsorgungsgebiet der Stadt Höxter. Seit Anfang 2001 ist ein Teil der Samtgemeinde Bevern an die Zentralkläranlage angeschlossen.

Baubetriebshof

Der Baubetriebshof mit den Betriebszweigen Bauhof und Gärtnerei erledigt hoheitliche Aufgaben im Gebiet der Stadt Holzminden. Die personelle Teamstärke sichert im Bedarfsfall insbesondere den Winterdienst und den Hochwasserschutz. Regelmäßige Kontroll- und Unterhaltungsarbeiten an städtischen Straßen gewährleisten die Verkehrssicherheit. Die gärtnerische Pflege von öffentlichen Grün- Park- und Spielplatzanlagen, sowie die Unterhaltung des Straßenbegleitgrüns dient der Sicherheit der Bürger im Stadtgebiet. Städtische Gebäude werden unterhalten, um Sie ordnungsgemäß der Öffentlichkeit zugänglich machen zu können.

Straßenreinigung

Dem Betriebszweig Straßenreinigung obliegt neben der allgemeinen Reinigung der Wege & Plätze und der Papierkorbentleerung insbesondere die Aufgabe, die Straßen der Stadt täglich bzw. in einem 14-tägigem Rhythmus zu reinigen. Durch die Höhenlagen des Sollings kommt in dem Betriebszweig auch dem Winterdienst eine besondere Bedeutung zu.

Wasserversorgung

Die Wasserversorgung wird durch das Schwesterunternehmen Stadtwerke Holzminden GmbH betrieben. Hier erfolgt die Wassergewinnung, -speicherung und -verteilung, sowie die kaufmännische Abrechnung der Kunden.


Aufgaben & Planung der Abwasserbeseitigung

Die Stadt Holzminden hat mit rd 21.000 Einwohnern die Funktion eines Mittelzentrums im südwestlichen Niedersachsen. In der Stadt befinden sich größere Industrie- und Gewerbebetriebe, z.B. der chemischen, der Elektro- und der Glasindustrie.

Über ein Kanalnetz von über 105 km wird das Abwasser überwiegend im sogenannten Mischsystem der Kläranlage Holzminden zugeleitet.  Die Länge des städtischen Kanalnetzes einschließlich aller Ortsteile beträgt  134 km ( Stand 31.12.2007 ). Hierbei beträgt die Mischwasserkanallänge 91 km, die Schmutzwasserkanallänge 21 km und die Regenwasserkanallänge 16 km. Im Jahr 1911 erfolgte der Beginn der Kanalisationsverlegung in der Stadt Holzminden. Aufgrund der vorhandenen chemischen Industrie hat die Stadt in den Jahren 1991 - 1996 einen 5 km langen separaten Industrieabwasserkanal DN 700 aus Steinzeug von der Kläranlage quer durch die Stadt bis zu dem Werksgelände der chemischen Industrie verlegt. Parallel mit dem Industriekanal ist ebenfalls ein neuer Mischwasserentlastungskanal DN 1600 von der Kläranlage quer durch die Stadt bis zur Sollingstraße in den Jahren 1991 - 2000 verlegt worden. Um die allgemein anerkannten Regeln der Abwassertechnik bei der Mischwasserableitung einzuhalten ist im Jahr 2000 zentral bei der Kläranlage Holzminden ein Regenüberlaufbecken mit einem Inhalt von 2.500 cbm und ein Ausgleichsteich mit einem Fassungsvermögen von 5.600 cbm gebaut worden, sowie ein Stauraumkanal mit einem Fassungsvermögen von 600 cbm bei der Pumpstation Weser verlegt worden. Insgesamt sind 4 Regenrückhaltebecken mit einem Regenrückhaltevolumen von 3.500 cbm am Kanalnetz gebaut worden. Wegen der topographischen Verhältnisse im Stadtgebiet sind  8 Pumpwerke im Kanalnetz vorhanden. 

Die Riech- und Geschmackstoffindustrie stellt eine ganz besondere Anforderung an eine einwandfreie Abwasserreinigung und Beseitigung. 1958 wurde die erste größere Anlage für die Klärung der Abwässer erstellt. Sie bestand aus einer 4-straßigen Absetzanlage in Verbindung mit der Schlammfaulung.

Bereits nach wenigen Jahren wurde deutlich, dass diese Anlage nicht mehr den Anforderungen an die Abwasserreinigung entsprechen konnte.

Nach Planung, Abwasseruntersuchungen und Bauzeit konnte 1975 die erste Ausbaustufe (Vorklärbecken, Biologiebecken und Nachklärbecken) für eine Kapazität von 80.000 Einwohnern (EW) in Betrieb genommen werden. Bis Ende 1978 wurde die Anlage mit drei selbständigen Reinigungsstraßen für eine Leistungskapazität von 250.000 EW ausgebaut. Die hierfür aufgewandten Kosten betrugen 17,0 Mio. DM. 

Durch die Anforderungen an die weitergehende Abwasserreinigung, die Eliminierung von Stickstoffen und Phosphaten ist im Jahr1991 eine biologische arbeitende Phosphat und Stickstoffreduzierungsanlage in den drei Reinigungsstraßen durch Mess.- und Regelungssteuerung  installiert worden.

Obwohl der anfallende behandelte Klärschlamm der Kläranlage hinsichtlich seiner Inhaltsstoffen den Anforderungen der jeweils geltenden Klärschlammverordnung zur landwirtschaftlichen Verwertung entspricht wurde im Jahr 1991 - 1992 eine Klärschlammtrocknungsanlage mit einem Kostenaufwand von 7,7 Mio. DM gebaut. Durch den Bau der Trocknungsanlage reduziert sich die jährlich zu entsorgende Klärschlammmenge von ca. 10.000 t auf  2.500 t.

Zur besseren Vergleichmäßigung des Industrieabwassers auf der Kläranlage Holzminden sind in den Jahren 1997 - 1998 zwei Edelstahlmisch- und Ausgleichsbehälter mit jeweils einer Höhe von 18 m und einem Durchmesser von 18 m einschließlich eines separaten belüfteten Sand- und Fettfangs für das Industrieabwasser mit dazugehörigen Pumpwerk und Biofilter mit einem Kostenaufwand von 10 Mio. DM gebaut worden.

Für einen besseren Hochwasserschutz der Kläranlage ist im Jahr 2005 ein Schöpfbauwerk mit einem Kostenaufwand von 1,5 Mio. EURO gebaut worden.

Wegen höherer Schmutzfrachteinleitungen und den Anforderungen an die weitergehenden Abwasserreinigung ist in den Jahren 2002 bis 2004 eine vierte selbstständige Reinigungsstraße auf der Kläranlage mit einem Kostenaufwand von 4 Mio. EURO gebaut worden Die Gesamtreinigungsleistung der Kläranlage beträgt dadurch 340.000 EW.

2012 wurde die Belüftungstechnik der Biologie 4 von Schlauchbelüftung auf eine maximale Plattenbelüftung umgebaut. Hierdurch wurde die Reinigungsleistung deutlich erhöht, um den Anforderungen der örtlichen Industrie gerecht zu werden. Gleichzeitig konnte durch den Einbau einer Trennwand im Rundbecken eine Pfropfenströmung erzeugt werden, wodurch Rührwerke ausgebaut werden konnten, was zusätzliche Energieeinsparung bedeutete.
Seitdem können die kommunalen und industriellen Abwasserströme auf der Kläranlage Holzminden separat voneinander gereinigt werden. Die 4. Reinigungsstraße reinigt frachtabhängig das in den Misch- und Ausgleichsbehältern vergleichmäßigte Industrieabwasser. Die Reinigungsstraßen 1-3 klären in der Regel das kommunale Abwasser und bei Bedarf wird das Industrieabwasser in diesen Straßen nachgereinigt, um schwer abbaubare Frachten zu eliminieren.

2013 wurde die Schlammentwässerung der Kläranlage Holzminden gänzlich erneuert und erweitert. Die alte Kammerfilterpresse wurde durch zwei Hochleistungszentrifugen (Dekanter) ersetzt. Der Primärschlamm wird zukünftig in einem statischen Primärschlammeindicker mit Krählwerk vorbehandelt. Der Überschussschlamm kann bei Bedarf über eine Bandfilterpresse voreingedickt werden. Sämtliche Schlammströme werden automatisiert aus den einzelnen Becken unabhängig voneinander abgezogen. Die Überschussschlämme aus den Nachklärbecken werden über einzelne, aufgeständerte Leitungen dem Vorlagebehälter der Schlammentwässerung zugeführt. Der Rohschlammvorlagebehälter hat ein neues Invent-Rührwerk erhalten, um eine gleichmäßige Konsistenz des Schlamms im Zulauf der Schlammentwässerungsaggregate gewährleisten zu können.

2013 wurde die Klärschlammtrocknungsanlage aus wirtschaftlichen Gründen außer Betrieb genommen. Seit dem Umbau der Entwässerung wird der Klärschlamm mit ca. 25% TS der Entsorgung zugeführt. Aktuelle wird der Klärschlamm ausschließlich in den Mitverbrennung entsorgt, in Müll- Heiz- Braun- oder Kohlekraftwerken.

2014 wurde das Prozessleitsystem der Kläranlage erneuert um den gestiegenen Anforderungen der Automatisierungstechnik gerecht zu werden.

Seit 2014 ist auch ein Teilstrom der ehemaligen Samtgemeinde Polle an die Kläranlage Holzminden angeschlossen. Dieses Abwasser gelangt über eine Druckleitung von Brevörde bis nach Holzminden.

2015 erfolgte nach den Umbaumaßnahmen und Änderungen der Stoffströme auf der Kläranlage eine hydraulische Überprüfung und Neudimensionierung der Gesamtanlage nach aktuellem Regelwerk mit dem Ergebnis, dass die Reinigungsleistung zu 150.000 EW berechnet wurde.

2016/2017 wurde ein neues Betriebsgebäude mit Sozialräumen für das Betriebspersonal errichtet. Aktuelle Anforderungen an die Sanitärbereiche mit Schwarz/Weiß-Trennung wurden berücksichtigt und ein erforderlicher Pausen- und Schulungsraum geschaffen.

2019 beteiligt sich die Stadtwerke Holzminden -Kommunalwirtschaft- AöR an der Kommunale Nährstoffrückgewinnung Niedersachsen GmbH (KNRN) durch Übernahme eines Geschäftsanteils. Im Rahmen der rechtlich vorgegebenen Neuordnung der Klärschlammverwertung (Klärschlammverordnung und Düngemittelverordnung) soll durch die Beteiligung die Ziele Entsorgungssicherheit und Erfüllung der gesetzlichen Vorgaben gemeinsam mit anderen kommunalen Gesellschaftern erreicht werden. Die interkommunale, niedersächsische Projektgemeinschaft plant den Bau einer Monoverbrennungsanlage mit Phosphorrecycling.

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