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19.09.2018

Nachhaltige Mobilität zum Thema machen

Auch in Holzminden ist das Phänomen zu beobachten: Zwei Tonnen Stahl und Blech werden bewegt, um 15 Kilogramm Kind zur Kita zu bringen oder 20 Gramm Brötchen vom Bäcker zu holen. Das ist der deutsche Alltag der Individualmobilität. Dabei geht es vielleicht auch ganz anders und zwar, ohne Zeit zu verlieren: Denn auf kurzen Strecken ist man mit dem Fahrrad sogar schneller am Ziel.
 
Im Rahmen der Europäischen Mobilitätswoche will die Verkehrsinitiative nachhaltige Mobilität zusammen mit regionalen Partnern am Sonnabend, 22. September, in der Zeit von 9 bis 13 Uhr vor der Stadtbücherei die nachhaltige Mobilität zum Thema machen und einige Impulse mit lokalem Bezug geben. Und das über das Fahrrad fahren hinaus. Zum Beispiel wird E-Mobilität eine große Rolle spielen in Verbindung mit einem vernetzten (öffentlichen) Verkehr. Die Europäischen Mobilitätswoche ist eine 2002 von der Europäischen Kommission ins Leben gerufene Kampagne, die es Kommunen ermöglicht, ihren Bürgern die Bandbreite nachhaltiger Mobilität näher zu bringen.

Ansätze, nachhaltig und umweltbewusst mobil zu sein, gibt es vor Ort viele – auch in Holzminden. Die Holzmindener Verkehrsinitiative nachhaltige Mobilität ist vor einigen Wochen erstmals öffentlich in Erscheinung getreten, als sie einen Fahrradkorso zu einer Ratssitzung organisierte und dort einen umfangreichen Potenzialbericht an die Ratsvorsitzende übergab. Der „harte Kern“ der Mitglieder hatte die Verkehrssituation in der Stadt Holzminden insbesondere aus der Perspektive der Radfahrer betrachtet und diverse Vorschläge gemacht und Optimierungen vorgeschlagen.

Am Sonnabend in der Fußgängerzone Obere Straße, Ecke Marktstraße, soll es auch um Straße und Schiene gehen. Mit dabei sind die AG Bahn Holzminden-Höxter, ADFC, VCD, BUND, das Klimaschutzmanagement des Landkreises Holzminden, die Stadtwerke Holzminden und das Radhaus am Markt. Natürlich geht es um bessere Bedingungen für das Fahrrad in der Stadt, um neue Radwege und sichere Verkehrsführungen.

„Die Verkehrsinitiative strebt eine signifikante Erhöhung des Fahrradverkehrs in Holzminden von jetzt zwei auf kurzfristig zehn Prozent, langfristig bis zu 50 Prozent an. Um dieses zu erreichen, müssen Fahrradwege und -streifen unter anderem mit ausreichender Breite ausgeführt werden, damit auch zehnjährige Kinder und Senioren auf diesen Wegen ein Gefühl der Sicherheit haben“, teilt Tilman Wittkopf, Sprecher der Verkehrsinitiative, mit. Grundsätzlich habe sich die Initiative im Potenzialbericht im Bereich der Sollingstraße für eine gesicherte Radverkehrsführung auf der Fahrbahn ausgesprochen – „ohne die bekannten Konflikte mit Fußgängern und ohne die ewigen Absätze und Auslenkungen an den Einmündungen“.

Die Anpassungen im Detail, wie notwendige Breiten, Radfahrstreifen oder Schutzstreifen und Lösungen für Engstellen, müssten genau und im Einzelnen betrachtet werden, wofür die Initiative ja ihre Beteiligung angeboten und gefordert habe, die aber bis heute nicht abgefordert worden sei. Der Grundsatz der Führung auf der Fahrbahn sei ja im Sinne des Konzepts. Allerdings seien die in der Sollingstraße frisch markierten „Angebotsstreifen“ für Radfahrer, die ab sofort auf der Straße und nicht mehr auf den Gehwegen geführt werden, seien „gut gemeint, aber viel zu schmal – nicht Fisch, nicht Fleisch“, kritisiert Tilman Wittkopf.

Es geht am Sonnabend auch um mögliche CO2-Einsparungen im Verkehr. „E-Mobilität macht da nur Sinn, wenn man Solarenergie nutzt. Sonst verlagert man die Emission nur in andere Gegenden“, weiß Dr. Linda Hartmann, Klimaschutzmanagerin beim Landkreis Holzminden.

Stadtwerke stellen weitere E-Tankstellen auf

Die Stadtwerke Holzminden haben mittlerweile neben dem E-Roller (den man ausleihen kann) auch einen e-mobilen Servicewagen in der Flotte und setzen als Stromlieferant weiter auf den Ausbau der E-Mobilität. So sollen in Zukunft drei Stromtankstellen in Holzminden installiert sein: Neben der Ladestation am Johannismarkt in drei Wochen auch am Firmensitz in der Rehwiese sowie für E-Bikes zur nächsten Saison direkt am Marktplatz. Auch in den Verleih von E-Bikes wollen die Stadtwerke im kleinen Stil einsteigen. Ein entsprechender Antrag der Mehrheitsgruppe im Stadtrat unterstützt das Konzept. Für Klimaschutzmanagerin Dr. Linda Hartmann ist das „ein Anfang“. Sie denke da weiter und sieht über die TourismusSchiene hinaus „sehr großes Potenzial“. Das Bike-SharingProjekt sei größer gedacht gewesen und ziele auch auf die vielen Einpendler Holzmindens. Um eine große E-Mobilität zu erreichen, brauche es viele Räder.

E-Bikes und E-Mobile zum Kennenlernen

Der ADFC bietet am Aktionstag Sonnabend eine Fahrradcodierung zum Schutz gegen Diebstahl an, E-Mobile und E-Bikes können besichtigt und zum Teil ausprobiert werden. Das „Radhaus am Markt“ lässt einen ShowTruck der Firma Kalkhoff vorfahren. Zum Thema „Bikefitting“ sind Spezialisten vor Ort und die Mitglieder der AB Bahn und der Verkehrsinitiative berichten über ihre Arbeit vor Ort. Natürlich liegt auch der Potenzialbericht zu Ansicht und Diskussion aus, und die „erbärmliche Situation“ für Radfahrer am Holzmindener Bahnhof soll ebenfalls thematisiert werden.

Quelle: Presseartikel vom 19.09.18 im TAH Seite 14: Nachhaltige Mobilität zum Thema machen PDF (593 KB)

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