Schlammbehandlung
Die Minderung des Volumens durch Trocknung des Schlammes wurde auch unter Berücksichtigung der Umweltbelange als die derzeit geeignete Funktionsart gewählt.
Die Klärschlammtrocknung in indirekt beheizten Kontakttrocknern ist für diese Aufgabenstellung ein geeignetes Verfahren. Der Trocknungsgrad richtet sich nach der vorgesehenen Art der Beseitigung des Schlammes.
Mindestens 90 % TS (Trockensubstanz) werden verlangt, wenn der Klärschlamm als Brennstoff in Kraftwerken oder in der Zementindustrie verwendet werden soll. Das getrocknete Klärschlamm mit einen TS - Gehalt von 90 % der Kläranlage Holzminden hat einen gleich hohen Brennwert wie Braunkohle.
Weiterhin führt dieser Trocknungsgrad gleichzeitig zu einem lagerfähigen Trockenschlamm, der – falls seine Qualität dies zulässt – auch für die Verwendung in der Landwirtschaft geeignet ist.
Bei einem Klärschlammanfall von ca. 120.000 cbm im Jahr aus dem Stadtgebiet und ca. 350 cbm täglich wird diese Menge zunächst auf 5 – 6 % TS durch statische Eindicker entwässert. Durch maschinelle Entwässerung mittels Kammerfilterpresse unter Zugabe von organischen und anorganischen Flockungsmitteln ( Polymere ) wird ein Entwässerungsgrad von mindestens 25 % TS erreicht (75 % Wasseranteil). Der maschinell entwässerte Klärschlamm wird mit Fördereinrichtungen zu dem Trockner 1 (Dünnschichttrockner) als erste Stufe und dann dem Trockner 2 ( ebenfalls Dünnschichttrockner) als zweite Stufe geführt.
Die für die Trocknung benötigte Wärme von 210° - 230° Celsius wird in einem Kessel durch Verbrennen von Erdgas und Aufheizung von Thermoöl erreicht. In dem mit einem Heizmantel versehenen Trockner 1 wird der Klärschlamm in einer dünnen Schicht mit rotierenden Einbauten aufgetragen, bis auf ein TS- Gehalt von 55 % getrocknet, anschließend zum Trockner 2 weitertransportiert und hier bis auf ein TS - Gehalt von 90 % getrocknet.
Bevor das Trockengut das Trockengutsilo erreicht, wird es durch eine Kühlschnecke geführt und von seiner Temperatur von ca. 130° Celsius auf eine Temperatur von ca. 30° - 40° Celsius heruntergekühlt. Die Brüden, die überwiegend aus dem verdampften Wasser mit einem Anteil Leckluft bestehen, werden mit einem Ventilator aus den Trocknern und aus dem Fördersystem, dieses steht unter geringem Unterdruck, abgezogen. Nun durchlaufen die Brüden Kondensatoren, wobei die gewonnene Wärme zu Heizzwecken verwendet wird. Die Restbrüden, die im wesentlichen nur noch aus der durch die Trockner gesaugten Leckluft bestehen, werden zur ständigen Desodorierung in das Belebeckungsbecken der zweiten Reinigungsstraße eingeleitet. Aus dem Trockengutsilo mit einem Fassungsvermögen von 120 t wird der getrocknete Klärschlamm mittels geschlossenen Silofahrzeugen zu Zementwerken und Kohlekraftwerken gefahren und als Brennstoff mit genutzt.
Die Klärschlammtrocknungsanlage wurde für eine Durchsatzleistung von 5.500 t TS / a bemessen. Diese Menge setzt sich zusammen aus: ca. 4.000 t TS / a aus der Kläranlage Holzminden, zusätzlich 200 t TS / a aus der Phosphatfällung, 800 t TS / a aus den Samtgemeinden des Landkreises und 500 t TS / a als Reservemenge.
Die Klärschlammtrocknung lässt für die weitere Verwendung viele Wege offen, wobei das entzogene Wasser in der Kläranlage mit gereinigt wird.